Im Gespräch mit... Dr. Tobias Tröger – Leiter Forschung & Entwicklung

30.03.2021

„Für eine neue Dienstleistungsentwicklung können wir auf unsere eigenen etablierten Technologien zurückgreifen. Dadurch arbeiten wir für unsere Kunden besonders effizient.“

Dr. Tobias Tröger leitet den Bereich Forschung & Entwicklung bei Corscience. Sein Team aus mehr als 60 Spezialisten entwickelt Medizintechnik-Lösungen, die Kranke heilen und Leben retten – sowohl im Kundenauftrag als auch eigene Produkte. Im Interview blickt Tobias auf aktuelle Projekte, Produktneuheiten in 2021 sowie die Besonderheiten der Entwicklung bei Corscience.

Tobias, was steht 2021 in der Entwicklung an?

Wir haben uns für 2021 viel vorgenommen. Aktuell schließen wir die Entwicklung eines neuartigen Fußschaltpults für den OP-Saal sowie die Implementierung einer physiologischen Regelung für das erste vollimplantierbare Kunstherz ab – hier war vor allem unser umfangreiches Wissen in der Systementwicklung, Mechatronik sowie Algorithmus-Entwicklung gefragt. In den nächsten Monaten folgen neue Großprojekte für namhafte nordamerikanische und europäische Kunden, unter anderem in den Bereichen Defibrillator-Entwicklung und Vitalparameter-Diagnostik.

2021 ergänzen wir außerdem unser Produkt-Portfolio in unseren COR Technologies – das sind unsere Spezialgebiete mit umfangreichem, jahrzehntelangem Markt- und Technologiewissen: Systementwicklung, Elektrostimulation, Gasanalyse, Monitoring, Beatmung und Mobile Health. Mit BDM85 bringen wir die optimierte Generation unseres Defibrillationsmoduls BDM75 auf den Markt, das Defibrillationsschocks mit einer Energie von 360J ermöglicht. CPR-Feedback ist unser Modul für den Einsatz bei Herzdruckmassagen im Rettungsdienst. Und mit COR.cloud bringen wir unsere erste cloudbasierte EKG-Analyse auf den Markt, die perfekt mit unserem Bluetooth-EKG COR12 zusammenspielt. Alternativ aber auch problemlos in bestehende EKG-Lösungen integriert werden kann.

Was zeichnet die Entwicklung bei Corscience aus? Und welche Vorteile ergeben sich dadurch für Kunden?

Zum einen sicherlich das Zusammenspiel aus Kundenprojekten und eigener Produktentwicklung. Für eine neue Dienstleistungsentwicklung können wir auf unsere etablierten Technologien, OEM-Module oder Algorithmen zurückgreifen und diese flexibel anpassen. Dadurch arbeiten wir für unsere Kunden besonders effizient. Für SunTech Medical haben wir beispielsweise unser SPO2-Modul ChipOx in eine Neuentwicklung integriert und optimiert.

Zum anderen zeichnet uns unsere eigene Vorentwicklung und Forschung aus. Dadurch treiben wir kontinuierlich Innovationen voran, die wiederum in unsere Kundenprodukte einfließen. Wir steigen noch in diesem Jahr in ein Forschungsprojekt ein, das sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bereich EKG-Analyse beschäftigt. Darüber hinaus sind wir u. a. Teil des Projekts NeoWatch, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Hier arbeiten wir gemeinsam mit Partnern an einem schonenden, kontaktlosen Monitoring von Frühgeborenen.

Zu guter Letzt: Wir sind inhaltlich sehr breit aufgestellt. Zum einen natürlich mit unseren COR Technologies, die uns im Wettbewerb klar differenzieren. Zum anderen haben wir uns in jüngster Zeit auch intensiv mit weiteren sicherheitskritischen Medizinprodukten wie zum Beispiel Herzunterstützungssystemen, ECMOs und Dialysegeräten beschäftigt.

Tobias, Signalverarbeitung und Algorithmen werden in der Medizintechnik immer wichtiger. Inwiefern befasst sich die Entwicklung bei Corscience mit diesen Themen?

Mit HES® bieten wir unseren Kunden bereits einen leistungsfähigen Algorithmus zur Analyse und Interpretation von EKG-Signalen, der kontinuierlich durch den Einsatz von KI verbessert wird. Darüber hinaus optimieren wir die Signalverarbeitung unserer Vitalparameter-Sensoren und schließen Datenlücken, Stichwort „data fusion“. Wir entwickeln zudem im Kundenauftrag spezifische Algorithmen für einen Flow-Sensor.

Exakte und zuverlässige Signalverarbeitung ist besonders wichtig bei sicherheitskritischen Anwendungen. Ein Beispiel: Basierend auf der Erkennung von ventrikulärem Flimmern liefert ein automatischer externer Defibrillator eine Schockempfehlung. Hier darf nichts schiefgehen. Wir verfügen dafür über langjähriges Know-how und die Datenbanken, die zur Validierung der Algorithmen zwingend nötig sind.

2021 feiert Corscience sein 20-jähriges Firmenjubiläum. Du bist schon einige Jahre dabei. Was macht deine Arbeit auch nach dieser langen Zeit so spannend?

Meine Aufgaben bei Corscience sind extrem vielfältig und abwechslungsreich. Wir beschäftigen uns tagtäglich mit innovativen Produkten und sind immer im engen Austausch mit unseren Kunden – vom Start-up bis zum Großkonzern. Da wird es nie langweilig. Ganz wichtig ist mir dabei die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit. Dass die Arbeit meines Teams das Leben von kranken Menschen verbessert, motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

 

Dr. Tobias Tröger
Leiter Forschung & Entwicklung

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